Die Situation auf dem Verpackungsmarkt

I. Situation 1. Polypropylen & Polyester

PP - Umreifungsbänder

Die Absatzmengen sind im 2. Halbjahr 2021 leicht gestiegen. Handel und Endverbraucher haben aus Angst vor Knappheiten Ihre Lagerbestände ordentlich aufgefüllt, weshalb der Ausblick auf die Umsätze im 1. Quartal 2022 etwas eingebremst ausfällt. Die Rohstoffpreise stehen unverändert auf einem konstant hohen Niveau, die Versorgungslage ist dagegen etwas besser geworden. Dennoch wird erwartet, dass sich durch die extrem gestiegenen Preise für Energie und Transport die Preisspirale weiter nach oben drehen dürfte. Aktuell hoffen alle Hersteller, dass Sie die Produktion aufgrund der pandemischen Lage und Mangel an Rohstoffen nicht noch einmal stoppen müssen.

PET – Umreifungsbänder

Nur bei RE PET erhöhten die Anbieter die Preise im Januar 2022. Auch hier erreichten die Aufschläge bei mehreren Typen nicht den Umfang der gestiegenen Kostenbasis. Bei den übrigen Qualitäten perlten die Versuche der Regranulierer, höhere Kosten für Energie und Logistik einzuführen, an der eher verhaltenen Nachfrage ab. Jedoch verbesserte sich das Grundwarenangebot aufgrund geringerer Exporte von Kunststoffabfällen – lediglich RE PET bleibt von dieser Tendenz ausgenommen, da sich Mangel dieser Flaschenabfälle bemerkbar macht. In der kommenden Zeit wollen die Regranulierer die gestiegenen Energie- und Frachtkosten in ihre Verkaufspreise einfließen lassen.

2. Polyethylen

Nachdem die Rohstoffpreise im Juli/August 2021 nachgegeben haben und die Hersteller diese Ermäßigungen auch an Ihre Kunden weitertrugen, wurde das Stretchfoliegeschäft nach einem eher ruhigen Start in das 2. Halbjahr 2021 ab September wieder angespannter. Bis etwa Oktober letzten Jahres waren die Preise sowohl für den Rohstoff als auch für Fertigprodukte ziemlich stabil. Jedoch stiegen die Preise durch die erhöhte Nachfrage sowie wachsende Rohstoffnotierung weiter an und bleiben bis heute auf einem hohen Niveau. Wie sich die Situation entwickeln wird, bleibt unklar, denn den niedrigen Rohstoffpreisen in den USA stehen Engpässe bei CO-Monomären europäischer Produzenten gegenüber. Auch hier machen sich der Fachkräfte- und Containermangel, die erhöhten Energiepreise sowie steigende Transport- und Verpackungskosten bemerkbar. Die neuerliche Nachfrage nach Stretchfolien mit Recycling-Anteil zeigt sich bis heute relativ verhalten, da die meisten Einkäufer nicht bereit sind, den erforderlichen Mehrpreis für diese Folien zu bezahlen.

3. Klebebänder

Selbstklebebänder

Entgegen den Erwartungen konnte in der 2. Jahreshälfte 2021 keinerlei Entspannung auf den Märkten beobachtet werden. Steigende Preise, empfindliche Lieferverzögerungen oder gar Ausfälle prägen das momentane Klebebandgeschäft. Durch die Knappheit sowie gestiegene Kosten für Strom und fossile Brennstoffe erreichten insbesondere die Preise für PVC ein noch dagewesenes Allzeithoch. Die Verknappung von SIS führt dazu, dass erstmals Hot Melt beschichtete PP-Klebebänder teurer sind als solvent Naturkautschuk basierte Tapes. Auch für das laufende Geschäftsjahr sind zunächst keine Besserungen in Sicht, sodass keine Entwarnung gegeben werden kann – es muss weiterhin mit hohen Preisen und langen Lieferzeiten kalkuliert werden.

Nassklebestreifen

2021 haben sich die Preise für unverstärkte Klebestreifen um rund 20 % und für gitterverstärkte Ausführungen etwa 30 % erhöht. Neben gestiegenen Preisen für Roh- und Hilfsstoffe sowie Energie sorgten auch Preiserhöhungen beim Papier für die gestiegenen Kosten. Für die kommenden Monate wird mit weiteren Preisanpassungen gerechnet, hier scheint noch kein Ende in Sicht. Auch verlängerte Lieferzeiten müssen mit eingeplant werden, rund drei bis 4 Wochen für Standardnassklebestreifen und fünf bis sechs Wochen für bedruckte Streifen und Großrollen stellen keine Seltenheit dar.

 

4. Verpackungspapiere & Kartonagen

Im Vergleich zu Oktober 2021 gab es beim Papiermix eine Preiserhöhung von 59 % und verlängerte Lieferzeiten von 3,25 Wochen auf 8 Wochen. Stark gestiegene Energiekosten haben viele Papierhersteller dazu bewegt, kurzfristige Preiserhöhungen von bis zu 150 Euro/Tonne einzusetzen. Aber auch weitere Nebenkosten (Leim +150%, Stärke +50%, Paletten +60%, etc) lassen die Preise weiter in die Höhe wandern.

Für Altpapier werden mittlerweile Höchstpreise bezahlt (200 Euro / Tonne), Spot Mengen sind noch deutlich höher. Die Versorgungslage bei den Wellpappenrohpapieren ist nach wie vor extrem knapp. Im Bereich Karton/Faltschachtel explodieren die Preise für Recyclingkarton. Geänderte bzw. nachträgliche Auftragsbestätigungen führen dank Preisanpassungen Kontrakteinseitig zu Margen- und/oder Kundenverlusten. Die Wachstumserwartung der Branche für 2022 wird herstellerseitig mit +4,5 % angegeben.

5. Verpackungsmaschinen

2021 wird als ein sehr gutes Geschäftsjahr bewertet; überproportional gute Verkäufe in den Sektoren Reibschweißgeräte und Palettenwickler wurden vermeldet. Für 2022 liegen zudem schon viele Aufträge vor, allerdings ist das Bild durch empfindliche Preiserhöhungen und lange Lieferzeiten getrübt. Auch hier kann nicht von einer Beruhigung der Liefersituation ausgegangen werden – 10 Monate Wartezeit für Maschinenlieferungen aus Fernost sind keine Seltenheit mehr. Coronabedingte Schließungen von Häfen, die Situation im globalen Containerverkehr und fehlende Teile auf Zuliefererseite prägen das Bild. Die Vorstellung und Einführung von Produktinnovationen verschiebt sich durch die derzeitige Situation nach hinten.

II. Allgemeines 1. Die aktuelle Situation im deutschen Groß- und Außenhandel

Deutsche Großhändler haben im dritten Quartal 2021 nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes nominal (nicht preisbereinigt) 11,5 % mehr umgesetzt als im vergleichbaren Vorjahresquartal, preisbereinigt liegt dieser Wert jedoch real bei + 1,9 %. Gegenüber dem 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, stieg der Umsatz im 3. Quartal 2021 real um 0,7 %. Im Großhandel mit Rohstoffen, Halbwaren und Maschinen, der ein Indikator für die Industrieproduktion und den Export ist, lag der Umsatz im 3. Quartal 2021 real 1,8 % höher (nominal + 18,1 %) als im 3. Vorjahresquartal. Der Großhandel mit Konsumgütern setzte zeitgleich real + 1,7 % (nominal 4,2 %) mehr um als im 3. Quartal 2020. Die Zahl der Beschäftigten im gesamten deutschen Großhandel (ohne Handel mit Kfz) lag im Oktober 2021 um 1,2 % über den Zahlen von Oktober 2020.

Die Großhandelsverkaufspreise waren im Durchschnitt 2021 um 9,8 % höher als 2020. Allein im Dezember 2021 lagen die Verkaufspreise im Großhandel um 16,1 % über den Vorjahreswerten. Dabei kommt ein Basiseffekt aufgrund des niedrigen Preisniveaus für viele Rohstoffe im Jahr 2020 zum Tragen. Die deutschen Importe haben von Januar bis November 2021 im Vorjahresvergleich knapp 16 % zugelegt (in Mrd. Euro). Der Einfuhrpreis-Index lag dabei im November 2021 um 24,7 % (ohne Energieimporte + 12,2 %) höher im Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber dem Vormonat Oktober 2021 stiegen die Importpreise im November 2021 um rund 3 %. Die deutschen Exporte haben im Vorjahresvergleich von Januar bis November 2021 um knapp 14 % zugelegt. Der Index der Ausfuhrpreise lag dabei im November 2021 um 9,9 % über dem Stand von November 2020 und + 0,8 % gegenüber Oktober 2021.

2. Gigantisches PE-Projekt in der Ostsee nimmt Fahrt auf

Das weltweit größte Projekt zur Produktion von Polyethylen nimmt Fahrt auf. Der russische Petrochemiekonzern RusGasDobycha plant im finnischen Meerbusen den Bau von zwei Crackern und sechs PE-Linien. Der „Baltic Chemical Complex“ soll in zwei Phasen am Startpunkt der Gaspipeline „Nord Stream“ errichtet werden und die dort anfallenden rund 4 Mio jato Ethan zu PE weiterverwerten. Die erste Stufe soll 2023 in Betrieb gehen, die zweite ein Jahr später. Die beiden Cracker sollen eine Kapazität von jeweils 1,4 Mio. jato Ethylen besitzen. Im Downstream werden nach Angaben der Polyglobe sechs Swing-Linien für die Produktion von PE-HD/LLD und Metallocene-LLD mit je 500.000 jato Nennkapazität errichtet, sodass sich wahrscheinlich die Gesamtkapazität auf 3 Mio. jato summiert. Die Amerikaner wurden jetzt auch mit der Entwicklung einer Engineering-Lösung für die Behandlung von Prozesschemikalien beauftragt.